MÄDCHENSACHE(N)
Power gegen blöde Anmache
Wenn einem Mädchen jemand zu nahe
rückt, spürt es in der Regel recht schnell,
dass da gegen seinen Willen Grenzen überschritten werden. Vielleicht
kennst du diese Situationen aus eigener Erfahrung:
Ein Lehrer macht Anspielungen auf deine Figur
Ein Onkel verlangt zur Begrüßung einen Kuss auf den Mund
Im Gedränge im Bus drückt einer ganz "zufällig" deine Brust
Der Vater einer Freundin tätschelt dir den Po und sagt, wie erwachsen du geworden bist
Solch' blöde Anmache ist in keinem
Fall in Ordnung und niemand muss sich so
etwas gefallen lassen. Nach Möglichkeit sollte man direkt klar sagen oder
zeigen,
dass man das nicht will. Auch für dumme Anmache auf der Straße gibt es
verschiedene Reaktionsmöglichkeiten: laut schimpfen, fluchen, freche
verblüffende
Sprüche oder den Typen einfach ignorieren. Je nach eigener Persönlichkeit und
Situation kann man sich für verschiedene Reaktionen entscheiden.
Wenn man jedoch das Gefühl hat,
bedroht zu werden, sollte man unbedingt auf sein Gefühl hören.
Bei körperlicher Bedrohung wird empfohlen, sich zu wehren, wegzulaufen
und laut um Hilfe zu rufen. Sinnvoll ist es, in einem Selbstverteidigungskurs
Techniken zu lernen, um sich zu schützen. Informationsstellen gegen sexuellen
Missbrauch raten ferner, bei Gefahr laut "Feuer" zu rufen, weil
die anderen Menschen darauf stärker reagieren als auf Hilferufe.
Grenzen setzen
Besonders schwer fällt es, Grenzen
deutlich zu machen und "nein" zu sagen, wenn
einen Menschen unter Druck setzen, die man eigentlich gern hat.
Ein Beispiel, das manche Mädchen kennen: Ihr Freund geht beim Schmusen
immer einen Schritt weiter, als sie selber es wollen. Oder er will Sex ohne
Kondome
und sagt, dies sei ein Zeichen von Vertrauen und Liebe.
Aber wenn dem Jungen das Mädchen
und dessen Freundschaft wirklich
wichtig sind, beachtet er die Wünsche seiner Freundin mindestens genauso
wie seine eigenen. Ein Zeichen von Vertrauen und Liebe ist es,
verantwortungsvoll mit dem anderen umzugehen und dessen Bedürfnisse
zu berücksichtigen. Das sollte ein Mädchen seinem Freund, wenn dieser
es bedrängt, auch ganz klar sagen. Mögliche Antworten könnten auch sein:
"Ich mag es nicht, wenn mich jemand zu etwas zwingt."
"Eine sichere Verhütung ist mir wichtig."
"Ich will auf keinen Fall Aids kriegen oder schon schwanger werden."
"Ich möchte selber bestimmen, wann für mich der Zeitpunkt kommt, mit jemanden zu schlafen."
Sexuelle Gewalt, Missbrauch
Der Übergang von nervender Anmache
auf der Straße über Bedrängung und Druck
durch nahe stehende und fremde Personen hin zu körperlicher und sexueller
Gewalt ist fließend. Während wohl jede Frau irgendwann einmal in ihrem
Leben Belästigungen erlebt, sind sexuelle Gewalttaten wie Missbrauch und
Vergewaltigung weniger häufig.
Die meisten sexuellen Straftaten
passieren im Rahmen der eigenen Familie
oder im Bekannten- und Verwandtenkreis. Da, wo Kinder und Jugendliche auf
Schutz und Vertrauen angewiesen sind, wird dieses Verhältnis übel
missbraucht. Für die betroffenen Mädchen und Jungen ist es oft sehr schwer, sich
zu wehren. Zum Beispiel, weil der Täter ihnen droht: "Wenn du unser Geheimnis
verrätst,
tue ich deiner Schwester etwas an" oder "... machst du unsere Familie kaputt und
kommst du ins Heim" oder "... hab ich dich nicht mehr lieb! usw. Mädchen und
Jungen haben dann oft Angst, dass sie ihre Familie zerstören, wenn sie
sich jemandem anvertrauen. Das ist nicht so. Die Familie wird durch den
Täter oder die Täterin zerstört, aber nicht durch das Opfer.
Manches Mädchen meint auch, es sei
mit Schuld daran, wenn es sexuell
belästigt oder vergewaltigt wird, weil es sich nicht gewehrt hat. Das stimmt
in keinem Fall. Schuld trägt alleine die Täter, der das Mädchen
bedrängt, ihm Gewalt antut oder durch Drohungen seelischen Druck ausübt.
Ein Mädchen, das in eine solche
Notlage gerät, sollte sich auf jeden Fall Verbündete
suchen. Eltern, Freundinnen und Lehrerinnen können Ansprechpartner sein.
Auch wenn ihm zunächst nicht geglaubt wird, sollte es sich in keinem
Fall entmutigen lassen und es bei einer anderen Vertrauensperson
versuchen.
Es gibt auch Anlaufstellen, wo
sich Mädchen anonym und vertraulich an
Fachfrauen wenden können, zum Beispiel den Kinderschutzbund, Zartbitter e.V.,
Wildwasser, Beratungsstellen der Stadt, des Kreises oder der Verbände.
Auch die Telefonberatung des Kinderschutzbundes, die "Nummer gegen Kummer":
0800 111 0 333,
kann sinnvoll sein, wenn ein Mädchen erst einmal nur reden möchte oder
Adressen für Beratung und Hilfe sucht.